Die Weiße Taube – ein jüdisches Vereinshaus in Bamberg

Die „Weiße Taube“ war eine Brauereigaststätte im Zinkenwörth 17 – 19 in Bamberg. Sie wurde im Dezember 1935 von der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg erworben.

1934 war die „Ressource“ das jüdische Gesellschaftshaus von den Nationalsozialisten übernommen worden. Das jüdische Vereinsleben war damit empfindlich beeinträchtigt. Seit 1935 waren Juden in den Cafés und Restaurants nicht mehr gerne gesehen. Die Möglichkeit sich außerhalb der privaten Wohnungen zu treffen war für Juden nun extrem eingeschränkt.

Die „Weiße Taube“ wurde für die Bamberger Juden zu einem gesellschaftlichen und kulturellem Zentrum.

In der Weißen Taube trafen sich jüdische Jugendgruppen ebenso wie andere Vereine. Es gab mehrere Säle für Tanz- oder Filmvorführungen, eine Kegelbahn, ein Sportgelände, Jugendräume, Unterkünfte für Wohnungslose und auch das Gemeindebüro fand hier seinen Ort.

Und natürlich konnte in dieser Gaststätte auch koscher gegessen werden: Die Küche war in eine „milchige“ und eine „fleischige“ Abteilung eingerichtet und Frau Mondschein, die schon seit 1933 einen koscheren Mittags- und Abendtisch in ihrer Privatwohnung betrieben hat, übernahm die Bewirtschaftung und die Geschäftsführung. Im September 1937 zog die inzwischen verwitwete Frau Mondschein in ihre Heimat nach Wiesenfeld in Unterfranken zurück.

Nach der Reichspogromnacht war die „Weiße Taube“ der letzte religiöse und gesellschaftliche Treffpunkt für Juden in Bamberg

Nachdem die Synagoge im November 1938 zerstört wurde, trafen sich die Juden in der Weißen Taube zum Gebet. Die Kinder und Jugendlichen, die keine „deutschen“ Schulen mehr besuchen durften, wurden hier unterrichtet: Samuel Palm unterrichtete hier Englisch, die Schneiderin Frau Irma Walter gab Handarbeitsunterricht und Julius Schapiro leitete die Schule.

Ab November des Jahres 1941 war die „Weiße Taube“ der Sammlungsort für die Deportationstransporte, nicht nur für Menschen aus Bamberg, sondern auch für die Bewohner der benachbarten und im Umkreis liegenden Landkreise aus den Städten Coburg, Bayreuth und Nürnberg. Juden mussten ihre Wohnungen verlassen und in der Weißen Taube auf die Deportation in die Vernichtungslager warten.

Im Jahre 1942 übernahm die SS das Haus, 1945 wurden große Teile des Gebäudes zerstört. Die Ruine wurde im Jahr 1947 abgebrochen. Zwischenzeitlich diente der Überrest der Weißen Taube als DP-Camp.

Die Reste des Gebäudekomplex wurden Mitte der 1980er Jahre im Zuge des „Theatergassen“-Projekts abgerissen.

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