Die jiddische Sprache

Der Blick auf die verschiedenen sprachlichen Elemente der jiddischen Sprache eröffnet dem Betrachter die Vorstellung einer Geschichte von Wanderung und Niederlassung der Juden im Laufe der Zeit. Zudem lässt sich an ihr die Verortung der jüdischen Geschichte und Kultur in der Tradition und gleichzeitig in der Offenheit zum Wandel ablesen.

Von einer tiefen Verwurzelung mit der Tradition des Alten Israel zeugen die hebräischen und aramäischen Einflüsse vor allem auf den Wortschatz, aber auch auf die Grammatik. Die Schreibung des Jiddischen in hebräischen Lettern wurde nie angefochten. Als sich die Juden etwa im 9. Jahrhundert zur Zeit der Karolinger im deutschsprachigen Rhein- und Moselgebiet niederließen, wurde die Sprache der Juden stark von mittelhochdeutschen Dialekten beeinflusst. Rudimentäre romanische Elemente zeugen von einer Einwanderung aus westlichen Gebieten. Im Mittelalter fand die Wanderung gen Osten durch die Judenverfolgung ihren Höhepunkt, die eng in Verbindung mit dem Verdacht der Hostienschändung und des Ritualmords, aber auch der Pestepidemien 1347 bis 1353 stand. Im 14. und 15 Jahrhundert verlagerte sich das Zentrum des aschkenasischen Judentums nach Osteuropa, welches sich auch auf die Sprache niederschlug: die Sprache wurde durch zahlreiche Slawismen angereichert und auch grammatische Strukturen wurden beeinflusst.

Im Folgenden bildete sich neben dem westlichen ein östlicher Sprachzweig aus. Das mitgebrachte Mittelhochdeutsch wurde im Osten konserviert, da man nicht direkt an der Entwicklung der deutschen Sprache beteiligt war. Eine slawische Beeinflussung des westjiddischen Zweigs erfolgte spätestens mit der Rückwanderung osteuropäischer Juden nach Deutschland infolge von Pogromen und Verfolgung. Vor allem für das Westjiddische war es nie selbstverständlich, als eigene Sprache anerkannt zu werden. Die nichtjüdische Umwelt und einige Teile des Judentums selbst sahen in der Sprache der Juden eine Verunglimpfung der reinen deutschen Sprache. Im Zuge der jüdischen Aufklärung seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Jiddische in Deutschland nach und nach verdrängt. Die jüdischen Aufklärer betrachteten das Jiddische abwertend als „Jargon“ und forderten eine Übernahme der Landessprache, ohne jedoch die jüdische Identität aufzugeben. Im Osteuropa des 16. bis 20. Jahrhunderts hingegen gab es eine Blüte der jiddischen Sprache und Literatur, später sahen viele im Jiddischen das einigende, nationale Band aller Juden. Dass die Juden sich nach dem Zweiten Weltkrieg in den DP-Camps des Jiddischen bedienten kann wohl unter diesem Aspekt zu sehen sein. Da ein Großteil der DPs aus Osteuropa kam, benutzte man die Sprache, die jeder verstand. So setzte sich Jiddisch, von einigen Ausnahmen abgesehen, auch als Sprache der jüdischen DP-Presse durch.

Luisa Penske

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